Ken Davis und der Klimawandel

Im Allgemeinen verteilt Ken Davis auf seinem Blog Rundumschläge gegen Presse, Politik und Industrie, die alle in „krimineller“ (ich setze das in Anführungszeichen, da tatsächlich meistens nicht der juristische Begriff gemeint ist, sondern die moralische Verwerflichkeit) Weise die Bevölkerung falsch informieren, um daran in irgendeiner Form zu verdienen. Beim Thema Klimawandel gerät er in einen Interessenskonflikt: Hier berichtet die Presse überwiegend über die Neuigkeiten aus der Klimaforschung (die nach Ken Davis in Wahrheit eine „kriminelle“ Vereinigung von Wissenschaftlern ist), die auf der anderen Seite der Großteil der Industrie lieber nicht veröffentlicht sehen würde. Er hat dafür eine Lösung gefunden: In seiner Welt will auch die Industrie Angst vor dem Klimawandel verbreiten, da sie im Handel mit Emissionsrechten den großen Reichtum wittert. Das zeigt symbolisch auf, wohin die Reise zur grotesken Seite des Netzes diesmal führt…

Der Blick aus dem Fenster

Das Thema Klimawandel muss sich auf NTA eine Kategorie mit der Schweinegrippe teilen, was scheinbar historisch begründet ist. Abhängig vom Grad persönlicher Wahnvorstellungen mag beides irgendwie letztendlich das gleiche sein, aber ich würde mich bei dem Versuch, beides unter einen Hut zu bringen, hoffnungslos verlieren. Deswegen konzentriere ich mich hier auf ersteres Thema.

Viele der Beiträge zum Klimawandel sind kurz und beschäftigen sich nur mit einem Blick nach draußen, um sicher zu stellen, dass es sich da nicht „global erwärmt“ hat. Man kennt diese Situation aus dem Alltag: An jedem besonders kalten Tag macht irgendwer im Kreis der Kollegen oder Bekannten einen Scherz über die globale Erwärmung. Aber Ken Davis meint das völlig ernst. Für ihn sind diese Beobachtungen unerschütterliche Beweise dafür, dass in der Theorie vom Klimawandel kein Funken Wahrheit stecken kann. Trotz seiner rigorosen Zensur des Kommentarbereichs kann man dort noch vereinzelt ablesen, dass viele Leser versucht haben, ihm in seinem Missverständnis von lokalem und globalem Klima auf die Sprünge zu helfen – bisher blieb das aber ohne Erfolg. Mit der Idee, dass ein globaler Klimawandel zu unterschiedlichen Zeiten an unterschiedlichen Orten zu den verschiedensten Wetterextremen führen kann, ist er auch in den jüngsten Beiträgen weiterhin überfordert.

In der zweiten Liga

Auf dem Gebiet der klassischen Verschwörungstheorien faselt Ken Davis auf Augenhöhe mit den Gleichgesinnten daher. Die Gesellschaft der Klimaskeptiker ist dagegen längst erwachsen geworden. Sie haben inzwischen konkrete Ziele und Strategien entwickelt, die sie teilweise professionell verfolgen (nicht etwa heimlich, sondern völlig offen). Das Mittel der Wahl ist die gezielte Saat von Zweifel. In 2009 ist dieser Bewegung ein ganz großer Coup gelungen, der unter dem Begriff Climategate bekannt geworden ist. Der Diebstahl einer großen Zahl von Dokumenten von einem Server der Climatic Research Unit (CRU) der UEA (nicht durch die Klimaskeptiker, sondern durch eine Gruppe von Hackern) erlaubte einen völlig neuartigen Einblick in die Arbeit der Klimaforscher. Aus dem internen E-Mail-Verkehr ließen sich schnell Zweifel an der Wissenschaftlichkeit der dort getätigten Arbeit ableiten (vermutlich ließen sich auch aus meinem beruflichen E-Mail-Verkehr solche Zweifel ableiten, aber den interessiert ja glücklicher Weise niemanden). Durch entsprechende Pressearbeit wurde aus den Zweifeln an der Durchführung schnell Zweifel an der wissenschaftlichen Aussage und für die Arbeit der Klimaskeptiker war damit das Ziel vollends erreicht. Die Klimaforscher wurden später von den Vorwürfen freigesprochen, aber da war der Schaden längst angerichtet. An die Wissenschaft stellt man hohe Ansprüche der Integrität und Zuverlässigkeit und ist diese in Frage gestellt, verlieren die Ergebnisse der Forschung jeglichen Stellenwert. Ich würde es nicht wagen, hier Partei zu ergreifen – so sind nun einmal die Spielregeln.

Zwar bedient sich Ken Davis gerne im Arsenal der Klimaskeptiker, aber es entspricht nicht seinem Stil, einfach nur Fragen aufzuwerfen und jedem selbst zu überlassen, was er daraufhin aus den Theorien zum Klimawandel macht. Es gilt, die Wahrheit unmissverständlich und zweifelsfrei darzulegen und auf dem Weg dorthin die „Klima-Lügner“ der kriminellen Verschwörung zu überführen. Gleichzeitig erhebt er an seinen Blog den Anspruch der wissenschaftlichen Korrektheit (es gibt eine eigene Kategorie „Wissenschaft – Interessant gemacht“) und so sollte am besten ein Nachweis herausspringen, dass die Theorie der globalen Erwärmung den physikalischen Gesetzen widerspricht. Die echten Klimaskeptiker (von wenigen Ausnahmen abgesehen) lassen sich auf dieses schwierige Unterfangen aber mit Absicht nicht ein und so liefert ihm keiner so richtig die Argumente, die er gerne anführen würde. Deshalb untergräbt er jeden Funken seiner eigenen Glaubwürdigkeit, indem er eine Sache, die er im vorigen Satz angeblich gerade widerlegt hat, im nächsten mit einem „selbst wenn es wahr wäre…“ wieder aufgreift – weil er sich der Wirksamkeit eines einzelnen Arguments nicht sicher ist, liefert er lieber ein zweites und drittes nach. Überhaupt setzt er viel auf Wiederholung: Die gleichen Argumente, Diagramme, Bilder und Videos finden sich oft in kurzer zeitlicher Folge in neuen Beiträgen wieder, so dass man sich zwischendrin oft die Frage stellt, ob man den Beitrag nicht vielleicht schon gelesen hat.

Leider wird er selbst der pausenlosen Wiederholung der gleichen haltlosen Argumente langsam überdrüssig und die neueren Beiträge in der Kategorie werden wieder wortkarger und anstrengender zu lesen, weil die wenigen Höhepunkte im Dschungel der Schimpftiraden schwer auszumachen sind. Deswegen will ich schnell auf meine Favoriten eingehen, bevor der Spaß vorüber ist.

Warum die Behauptungen der Klimaforschung gelogen sind

Grundsätzlich ist diese Tatsache ausreichend mit der Feststellung abgedeckt, dass die Klimaforschung durch „kriminelle Lügner“ betrieben wird und somit deren berufliche Tätigkeit naturgemäß in der Erschaffung von Lügen liegt. Ken Davis meint aber, man könne diese Lügen auch entlarven und ein paar seiner Denkansätze möchte ich hier aufgreifen (ich zitiere sinngemäß, nicht zwingend wörtlich):

„Eine globale Erwärmung kann gar nicht gemessen werden, weil 70% der Erde durch Ozeane bedeckt sind und dort an den wenigsten Stellen gemessen wird.“

Diesen Leckerbissen hatte ich zuvor nur in einem von Ken Davis‘ Kommentaren gefunden, aber zum Glück hat er ihn in einem aktuelleren Beitrag wiederholt. Damit führt er einen erheblichen Teil seiner über Jahre zum Thema verbreiteten Äußerungen ad absurdum: Wenn ich die globale Erwärmung mangels akkurater Messergebnisse nicht bestätigen kann, kann ich sie aus dem gleichen Grund auch nicht widerlegen. Überall dort, wo er die Erderwärmung in Anführungszeichen setzt und sie als Lüge bezeichnet (z.B. im direkt vorangegangen Beitrag), kann er allenfalls geraten haben, denn seine Behauptung stellt ja die Möglichkeit der Tatsachenbeschaffung in jedweder Richtung in Abrede.

Leider ist die Behauptung aber grundlegend falsch: Eine flächendeckende Messung bräuchte ich nur, wenn ich die exakte Durchschnittstemperatur zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt (sagen wir gerade jetzt) ermitteln wollte. Die Veröffentlichungen des IPCC machen aber lediglich Aussagen zur Entwicklung der Temperaturveränderung bezogen auf den Durchschnitt eines langen Zeitraums. Das ist über eine beliebig spärlich verteilte Zahl von Stichproben möglich und man kann sogar die Genauigkeit der Aussage beziffern und mathematisch beweisen (diese steigt selbstverständlich mit der Dichte der Messstationen). Ich will ehrlicher Weise erwähnen, dass die mathematische Schlüssigkeit der ganzen Berechnung nur gegeben ist, wenn man zu einem kleinen Zugeständnis bereit ist: Man muss daran glauben, dass das Klima nicht absichtlich (quasi aus eigenem Willen) dem Versuch der Messung ausweicht. Da Ken Davis aber meint, das Klima sei derartig zufällig, dass es sich jeglicher Vorhersage entzieht, muss er zwangsläufig die Anwendbarkeit der Stochastik eingestehen. Eine ausführliche Beschreibung der Berechnungsmethoden und die Auflistung der dabei berücksichtigen Probleme findet man hier. Einen Verlauf der Temperaturveränderungen auf der nördlichen Hemisphäre über die letzten 150 Jahre inklusive der Fehlerspanne der Methodik und in drei verschiedenen zeitlichen Auflösungen gibt es hier.

In ähnlicher Missachtung der Mathematik und Methodik rechnet er im gleichen Beitrag die von der IPCC jüngst veröffentlichten Zahlen („Observations: Atmosphere and Surface“, S.192) zur globalen Erwärmung in den Bereich der Messgenauigkeit der Stationen herunter, indem er sie kurzerhand durch die Zahl der Jahre teilt und auf die einzelne Station rückprojiziert. Genauso gut könnte er es auf Tage herunter brechen, um noch kleinere Werte zu erhalten. Der logische Fehler sollte sich selbst ihm erschließen, wenn er es sich für einen Moment erlauben würde, seine eigenen Aussagen zu hinterfragen: Er rechnet hier den ermittelten Durchschnitt auf die einzelnen Messwerte der Stationen zurück und unterstellt gleichzeitig an jedem Punkt der Erde einen streng linearen Temperaturverlauf ohne jahreszeitliche Schwankungen (oder auch nur untertägige, wie z.B. den Wechsel von Tag und Nacht). Tatsächlich misst aber jede einzelne Station mit hoher Wahrscheinlichkeit schon im Stundenrhythmus Temperaturveränderungen, die deutlich größer sind, als deren Messtoleranz. Zusätzlich unterstellt seine Betrachtung auch noch einen gemeinsamen Messfehler aller Stationen mit gleichem Vorzeichen, der außerdem irgendwie von Jahr zu Jahr immer größer wird. Vermutlich handelt es sich dabei um eine Verschwörung der Hersteller solcher Instrumente…

„Man kann noch nicht einmal das Wetter für die nächsten 14 Tage vorhersagen, wie soll das mit dem Klima bis zum Ende des Jahrhunderts funktionieren?“

Ken Davis stellt diese provokative Frage z.B. hier (etwa in der Mitte, der viertletzte Absatz vor dem Video). Die Wettervorhersage liegt genau dann falsch, wenn sie für meine Stadt am übernächsten Sonntag Sonnenschein vorhersagt und es dann schließlich doch vor meiner Tür regnet. Sie würde sicher richtig liegen, wenn sie vorhersagen würde, dass an besagtem Sonntag die Temperatur irgendwo zwischen der höchsten und tiefsten Temperatur liegen würde, die man in Mitteleuropa in den letzten 20 Jahren zu dieser Jahreszeit gemessen hat. Niemand würde sich eine solche Wettervorhersage im Fernsehen anschauen, weil sie in keiner Weise hilfreich wäre. Aber es hat auch niemand behauptet, die Klimaforschung könne uns bei der Entscheidung helfen, ob wir am 7. März 2020 in München besser einen Regenschirm mitnehmen, wenn wir vor die Tür gehen. Sie sagt uns voraus, dass die globale Durchschnittstemperatur bis zum Ende dieses Jahrhunderts mit hoher Wahrscheinlichkeit gegenüber des vorindustriellen Zeitraums um 2-4°C ansteigen wird. Damit ist sie zeitlich (weder sagt sie die genaue Durchschnittstemperatur eines bestimmten Jahres, noch der einzelnen Jahreszeiten voraus), räumlich (nur der globale Durchschnitt wird ermittelt) und inhaltlich weitaus weniger spezifisch als eine Wettervorhersage.

„Hatten wir schon erwähnt, dass Klimamodelle mit gekoppelten, nichtlinearen, chaotischen Systemen arbeiten, was eine langfristige Voraussage des Systems ‚Klima‘ unmöglich macht. (IPCC-Report 2007, Seite 774)?“

Während man bei NTA Quellenangaben zumeist vergeblich sucht, stolpert man hier völlig überrascht kurz vor dem Video über eine Ausnahme zur Regel. Gleichzeitig gewinnt man daraus die Erkenntnis, warum sich Ken Davis gerne um die Nennung von Quellen drückt, denn sie ist in diesem Fall von besonderer Brisanz: Sie überführt Ken Davis der unreflektierten und unkritischen Nachplapperei, die er auf der anderen Seite unaufhörlich und ziemlich wahllos anderen vorwirft. Er hat sich die Seite 774 des IPCC-Reports von 2007 nie angesehen. Stattdessen hat er, ohne es zu überprüfen, das Statement irgendeines Gleichgesinnten im Netz kopiert und gleich den Fehler in der Quellenangabe mit übernommen. Der gleiche Fehler findet sich anderswo und früher im Netz z.B. im ersten Kommentar hier oder hier. In dem genannten Report findet sich auf Seite 774 nichts dergleichen, stattdessen aber in dem sechs Jahre älteren Report 2001 (PDF). Irgendjemand hat sich da beim Abschreiben vertan und Ken Davis spielt unwissend und bereitwillig den Papagei.

Wie man sich schon denken kann, hat der IPCC nicht in 2001 die wissenschaftliche Kapitulationserklärung der Klimaforschung veröffentlicht, um dann unverdrossen auch in 2007 und 2013 die neuesten Erkenntnisse dieser hoffnungslosen Disziplin zu dokumentieren. Ken Davis‘ unbeholfener Umgang mit so simplen Dingen wie einem berechneten Durchschnitt lässt nichts gutes für das Verständnis komplexerer mathematischer Zusammenhänge erahnen. Die Chaostheorie befasst sich mit der Berechnung dynamischer Systeme, bei denen kleine Veränderungen des Anfangszustands zu großen Unterschieden bei den Ergebnissen führen können. Die nichtlineaneren Gleichungen bei der Berechnung sind dagegen streng deterministisch, wodurch exakt gleiche Anfangszustände auch immer das gleiche Ergebnis liefern. Das populärste Beispiel der Chaostheorie stammt tatsächlich aus der Meteorologie: der Schmetterlingseffekt. Er stellt die Vermutung an, dass der Flügelschlag eines Schmetterlings in Brasilien letztendlich darüber entscheiden kann, ob einige Wochen später in Texas ein Tornado wütet oder nicht (mit noch höherer Wahrscheinlichkeit hat er einen Einfluss darauf, wann und wo genau und mit welcher Stärke der Tornado wütet, aber die Auswirkung auf das „Ja“ oder „Nein“ ist am anschaulichsten). Eine verbreitete Fehlinterpretation des Effekts ist, dass der Flügelschlag der Auslöser für den Tornado sei. Bestünde dieser kausale Zusammenhang, wäre es aber völlig unmöglich, die Wahrscheinlichkeit der Entstehung von Tornados zeitlich oder lokal in irgendeiner Form vorherzusagen, denn niemand misst die Flügelschläge von Schmetterlingen. Das Verständnis dieses Unterschieds ist entscheidend, wenn man die Aussage der Klimaforscher interpretieren will.

Ein einfaches Experiment zu einem chaotischen System kann man durchführen, indem man einen Ball eine ausreichend steile Wiese herunterrollen lässt und versucht vorauszusagen, wo der Ball zum Stillstand kommen wird. Jeder würde sich intuitiv nicht allzu genau festlegen wollen, weil man z.B. den Einfluss der Wiese nur ungenau abschätzen kann. Will ich eine genauere Abschätzung machen, würde ich mir wahrscheinlich auch die Wiese genauer ansehen, was vergleichbar mit der Erhöhung der Zahl von Messstationen für die Wettervorhersage ist. Bei der Genauigkeit stoße ich aber an praktische und letztlich auch physikalische Grenzen (Planck und Heisenberg lassen grüßen). Ich kann den Ball auch nur mit einer gewissen Präzision aufsetzen und gleichmäßig loslassen. Eine kleine Unwucht in dem Ball bleibt mir vielleicht verborgen, obwohl sie u.U. dazu führt, dass er bei leichtem Abweichen vom vorausgesagten Weg und unter Einwirkung des Windes vorzeitig in einer Mulde zum Stillstand kommt – weit abseits des vorausgesagten Zielbereichs. Auch der Zeitrahmen spielt eine hier vielleicht zunächst nicht offensichtliche Rolle: Setze ich ihn auf eine Stunde, kommt vielleicht zwischenzeitlich eine Kind vorbei und tritt gegen den Ball, der eigentlich schon zum Erliegen gekommen war. Spätestens hier wird klar, wie leicht man die Komplexität des Experiments unterschätzt und bestimmte Einflussmöglichkeiten außer Acht lässt. Spielt der Schmetterling in Brasilien mit, könnte der Wind während des Experiments auch unerwartet an Stärke so zunehmen, dass der Ball davon getragen wird. Das ebenfalls über die Strömungsmechanik chaotische System der Plattentektonik könnte auch dazu führen, dass sich ganz unerwartet unter dem Ball eine Erdspalte auftut und das Ergebnis ebenso überraschend auch in der Z-Achse deutlich von meiner Voraussage abweicht.

Niemand würde hier aber zu dem Schluss kommen, es sei zwecklos, den Weg des Balls vorhersagen zu wollen. Gäbe es dazu einen mehrheitlichen Konsens, würden Fußball, Hockey und vor allem Golf in die Kategorie der Glücksspiele und nicht der Sportarten fallen, obwohl man hier tatsächlich auch in der sportlerischen Betrachtung auf das Problem stösst, am Favoriten-Status eines einzelnen Athleten oder einer Mannschafft nicht den Ausgang eines Wettkampfs bestimmen zu können. Allein der Genauigkeit einer Vorhersage in einem chaotischen System sind absolute Grenzen gesetzt, egal wie viel Aufwand ich zu treiben bereit bin. Gleichzeitig ist jede Aussage mit einer Wahrscheinlichkeit verknüpft. Und genau das meinen die Klimaforscher: In Konformität zur wissenschaftlichen Ethik erläutern sie die Grenzen ihrer Methodik, damit ihre Prognosen korrekt interpretiert werden können. Im gleichen Zusammenhang beschreiben sie Pläne, wie sie zukünftig durch Verbesserungen an den Methoden zu genaueren und zuverlässigeren Prognosen kommen wollen. Das ist das genaue Gegenteil eines riesigen Schwindels, wie ihn Ken Davis unaufhörlich postuliert.

„Der Mensch kann auf das Klima keinen Einfluss nehmen.“

Das ist das Bild, das Ken Davis durch verschiedene Behauptungen z.B. hier und hier in der Summe zeichnet. Abseits der Klimaforschung gab es aber bereits seit den 50er-Jahren einen ganz anderen Beweggrund, den möglichen Einfluss des Menschen auf seinen makroskopischen Lebensraum zu erforschen. Während des kalten Kriegs waren die Supermächte akribisch damit beschäftigt, sich mit atomaren Waffen einzudecken, um den Gegner im Ernstfall gleich mehrfach vernichten zu können. Daraus ergab sich ein berechtigtes Interesse an der Frage, was denn passieren würde, wenn nun wirklich jemand auf den roten Knopf drücken würde und wie die Zukunft der Menschheit (eben auch der eigenen Bevölkerung) danach aussähe. So wurde viel Geld in die Forschung investiert, die dann u.a. auch zu dem Schluss kam, dass ein weltweiter Atomkrieg katastrophale Auswirkungen auf das Klima haben würde.

Außerdem wissen wir heute, dass das Aussterben der Dinosaurier sehr wahrscheinlich mit weltweiten Veränderungen des Klimas zusammenhängt, die durch den Einschlag eines großen Meteors verursacht wurden. Nichts würde den Menschen davon abhalten, einen entsprechend großen Brocken aus dem Mond zu brechen und mit ausreichender Geschwindigkeit auf die Erde stürzen zu lassen, um den Effekt zu wiederholen. Alles was man dazu bräuchte, wäre eine Entscheidung, die enormen Anstrengungen für ein solch destruktives Unterfangen tatsächlich zu unternehmen, aber von „nicht können“ kann gar keine Rede sein.

Stattdessen ist es viel effizienter und weit weniger gefährlich, das Klima lokal stark eingeschränkt zu steuern: Mit einem Dach, vier Wänden, ein paar Fenstern und einer Heizung. In deutlich größerem Maßstab wird das aber durchaus erforscht und geplant, wenn es nämlich darum geht, Gebiete mit ansonsten extrem menschenfeindlicher Umgebung zu besiedeln, wie etwa den Mars. Es gibt Projekte zu künstlichen Biosphären mit eigenem Mikroklima und Ideen zum Terraforming, um ganzen Planeten ein erträgliches Klima zu verpassen.

Allein durch sein zahlenmäßiges Wachstum und die Industrialisierung erreicht der Mensch ein schwer abzuschätzendes Einflusspotential auf seine Umwelt und allein deshalb ist ganz und gar nicht ausgeschlossen, dass er auch das Klima seines Heimatplaneten nachhaltig verändert (hat).

Schier unerschöpflich

Für den Moment habe ich ausreichend Vergnügen mit den skurrilen Darstellungen und haarsträubenden Behauptungen von Ken Davis zum Thema Klimawandel gehabt, aber ich stelle fest, dass ich nur den geringsten Teil abgedeckt habe. Dem Thema CO2 und Treibhauseffekt bin ich mit Absicht aus dem Weg gegangen, da seine Vorstellungen und sein Lieblingsvideo zu diesem Aspekt der Klimaforschung eine ausführliche, separate Betrachtung verdienen. Ich werde mich diesem und anderen Kuriositäten aus dem Hause „Klimawandel und Schweinegrippe“ später widmen. Vielleicht sagt mir aber auch ein ganz andere Kategorie des Blogs plötzlich mehr zu oder Ken Davis überrascht mich mit einer völlig neuen Idee. Ich bin gespannt.

2 Kommentare

  1. Ich bin mir nicht sicher, ob die Aussage auch von Ken Davis stammt, aber ebenfalls von nta und sehr belustigend: „Beispielsweise vor 60 Millionen Jahren war es rund 10 Grad Celsius wärmer als heute (ganz ohne Industrie und Menschen) – und da ist die Welt auch nicht untergegangen!“
    Untergegangen ist die Welt zwar nicht, aber irgendwie erinnern mich die 60 Millionen Jahre doch an das Aussterben der Dinosaurier.

    PS: Schön lesbarer und rhetorisch starker Artikel.

    LG

    1. Vielen Dank!

      Auf solche Verweise zur Erdgeschichte bin ich auch schon mehrfach gestoßen. Er zeigt dann auch ganz gerne eine Grafik dazu, an der der Zusammenhang zwischen dem CO2 in der Atmosphäre und den globalen Temperaturen gut zu erkennen ist, obwohl dieer ja nach seiner Meinung gar nicht existiert ;).

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