Der Siegeszug von „News Top-Aktuell“

Da es Ken Davis‚ Blog an musikalischer Untermalung fehlt, habe ich mir angewöhnt, bei meinen Besuchen auf NTA die deutsche Titelmusik zu „Pippi Langstrumpf“ im Hintergrund zu öffnen. Einerseits ist die heiter-fröhliche Melodie ein geeigneter Gegensatz zu den inzwischen oft ins Geschmacklose abdriftenden Hasstiraden des Autors, andererseits gibt es keinen Satz, der das Motto des Blogs besser zusammenfassen würde, als der zweite Teil der ersten Strophe: „Ich mach‘ mir die Welt, widde-widde wie sie mir gefällt“.

Ken Davis ist inzwischen vollständig davon abgerückt, sachliche Argumente für die Standpunkte zu seinen Lieblingsthemen anzuführen. Stattdessen basieren die neueren Beiträge des Blogs fast ausschließlich auf einer sich selbst bewahrheitenden Logik: Jede Äußerung von Personen oder Organisationen, die den Regeln seiner selbst konstruierten Realität widerspricht, ist implizit ein Nachweis einer Verschwörung gegen die „Wahrheit“ als solches. Dadurch erhebt sich NTA zur alleinigen Referenz für das was richtig und was falsch ist, um ohne weiteren Diskurs über das reine Selbstzitat die Unwahrheit jeder beliebigen Veröffentlichung von Presse, Politik, Wissenschaft und Wirtschaft darzustellen. Mit der kompromisslosen Zensur des Kommentarbereichs zu den Beiträgen nutzt Ken Davis damit seinen Blog in perfekter Weise zur Erschaffung eines ganz privaten Universums.

Die Selbstdarstellung…

Damit überrascht es wenig, wie unbescheiden Ken Davis in seinen Formulierungen auftritt. Bei der Selbstbeschreibung des Blogs sind Superlative keine Seltenheit („Wie Sie wissen, sind wir eine höchst seriöse Informationsplattform.“) und er klatscht sich auch gerne mal unter wenig einfallsreichen Pseudonymen über die Kommentarfunktion selbst Beifall. Über Kritik ist er allerdings keinesfalls erhaben, denn die Veröffentlichung einer Antwort auf einen Leserbrief im hintersten Winkel des Internet, nötigte ihn zu einer wütenden Attacke gegen die Zeitschrift Öko-Test, aus dem alleinigen Grund, dass der Leserbrief Bezug auf einen Beitrag auf NTA nahm. Öko-Test ging in der sachlichen Stellungnahme zum Thema gar nicht näher auf die wahnwitzigeren Aspekte von Ken Davis‘ Fluorid-Verschwörungstheorie ein, aber er war dennoch aufgebracht genug, um den Redakteuren des Magazins den Tod zu wünschen („Es müsste viel mehr Rattengift zur Anwendung kommen, um lohnschreibende Öko-Test-Ratten zu vergiften.“).

 …und die Wahrnehmung der Außenwelt

In einem der jüngsten Artikel mit durchaus aktuellem Hintergrund widmet sich Ken Davis zunächst der Infiltration von Internet-Foren durch westliche Geheimdienste. An der Richtigkeit dieses Umstands hege ich keine Zweifel, lediglich der Umfang lässt sich wohl schwer beziffern. Erstaunlich ist dabei allerdings, dass Ken Davis offenbar die damit verbundene Ausnutzung der Anonymität im Internet für skandalös hält. Glaubt man langjährigen Beobachtern, so hat er unter exzessiver Nutzung dieses Aspekts doch selbst seine ersten Gehversuche in der Öffentlichkeit des Internets unternommen. Auch heute ist er gerne innerhalb eines Forums unter verschiedenen Pseudonymen aktiv (z.B. auf YouTube hier oder hier). Noch verwunderlicher ist allerdings, dass er Rufmord, Rufschädigung oder Herabwürdigung offenbar für die niederträchtigsten Mittel bei dieser Unterwanderung der offenen Diskussionskultur hält. In jedem seiner eigenen Beiträge bezeichnet er allerdings wahllos verschiedenste Personen oder ganze Gruppen als Lügner, Verbrecher oder Schwerstkriminelle. Zwar ist das äußerst plump und in der gegebenen Häufigkeit auch umso weniger wirkungsvoll, doch scheint mir die grundsätzliche Absicht dahinter doch durchaus die negative Beeinflussung des Rufs der betroffenen Personen und Gruppen zu sein. Vermutlich ist der entscheidende Unterschied zu den Äußerungen der Schergen westlicher Geheimdienste, dass Ken Davis‘ „Richtigstellung“ zum Ruf einer Person oder Organisation immer auf Tatsachen basiert. So hat er vermutlich gründlich recherchiert, dass jedes Mitglied des Deutschen Bundestags grundsätzlich kriminell ist.

Im weiteren Verlauf des Beitrags erläutert Ken Davis dann, dass auch NTA ins Fadenkreuz dieser Infiltrationsversuche geraten sei. Das halte ich dann wiederum angesichts der Bedeutungslosigkeit seines Nischen-Blogs für äußerst unwahrscheinlich. Und es scheint fast so, als habe Ken Davis selbst an diesem Punkt des Artikels über die geringe Reichweite von NTA sinniert, denn ziemlich unvermittelt kommt er (vom eigentlich Thema des Beitrags abweichend) auf die vermeintliche „Konkurrenz“ zu sprechen: Echte journalistische Medien mit nennenswerten Leserschaften.

Genau die fragwürdige Popularität der etablierten Informationsdienste nimmt sich Ken Davis dann auch vor und kommt zu dem Schluss, dass Stern & Co. die Leser davon rennen. Das geschieht in gewohnter Vernachlässigung nebensächlicher Details: Die Abonnenten-Zahlen des Stern sind gleichbedeutend mit dessen Auflage und diese steht dann wiederum stellvertretend für die Verbreitung der Inhalte der gesamten Presse. Tatsächlich sind die Auflagen sämtlicher Printmedien im angegebenen Zeitraum etwa so rückläufig, wie die Abonnenten-Zahlen des Stern, aber man darf da zumindest einen Zusammenhang mit der gleichzeitig wachsenden Bedeutung der Online-Präsenz sehen. Diese ignoriert Ken Davis im Falle des Stern komplett und stellt stattdessen die Seitenabrufe seines eigenen Blogs der Zahl der Abonnenten der Druckausgabe des Stern gegenüber. Auf welchen Zeitraum sich die Zahl der Seitenabrufe bei NTA dabei bezieht, lässt er offen. Wie ein einzelner Seitenabruf ins Verhältnis mit dem Bezug einer kompletten Zeitschrift zu setzen ist, bleibt unklar.

Der „denkende Mensch“ oder die Leserschaft von NTA

Dieser kuriose Vergleich mit dem professionellen „Wettbewerb“ hat meine Neugier geweckt und ich habe Alexa zu einem Vergleich der Besucherschaften von Spiegel, Stern und NTA benutzt. Während der Spiegel mit Rang 9 in Deutschland zu den Top 10 der besuchten Seiten gehört, landet der Stern immerhin mit Platz 68 noch unter den ersten hundert. NTA liegt hier aktuell leider nur auf Rang 25215, womit Ken Davis‘ Blog offenbar der Internet-Gemeinde weniger lesenswerte Neuigkeiten bietet, als der Verein für Deutsche Schäferhunde (Rang 20539). Eine zum Thema „Klimawandel“ durchaus inhaltlich verwandte, thematisch aber bei weitem nicht so breit aufgestellte Seite schafft es mit Rang 6451 immerhin unter die obersten 10000. Da fragt man sich, was bei NTA schief läuft.

Es lohnt ein genauerer Blick auf den Weg über den die Besucher auf die jeweiligen Seiten finden: Knapp 7% der Besucher der Online-Präsenz des Spiegel finden über die Anfrage bei einer Suchmaschine dorthin. Offenbar ist „www.spiegel.de“ eine zu schwer zu merkende URL, so dass die meisten davon nach „spiegel“, „spiegel online“ oder „spiegel.de“ googlen. Wenn diese URL bereits ein Hindernis zum direkten Aufruf darstellt, verwundert es zunächst nicht, dass gleich der dreifache Prozentsatz eine Suchmaschine bemühen muss, um NTA zu finden. Ein Blick auf die verwendeten Suchanfragen lässt einen dann aber erstaunt feststellen, dass sich darunter weder „News“, „Aktuell“ oder gar „Wahrheit“ findet. Die kritischen Leser des Blogs sind offenbar hauptsächlich an den neuesten „Enthüllungen“ zu den Themen „seven of nine hot“, „gina lisa nackt“ und „monica invancan nackt“ interessiert. Ken Davis sollte dazu mal etwas Neues bringen, um seine Leser nachfragegerecht zu befriedigen.

Alexa misst mit der „Bounce Rate“ auch den Anteil der Besucher, die nach dem ersten Seitenaufruf keine weitere Seite unter der gleichen URL mehr ansteuern. Das dient unter anderem dem Zweck der Abschätzung versehentlicher Besuche oder indirekter Abrufe. Im Falle von NTA ist der sehr hohe Anteil (85,3%) solcher „Bouncer“ bei den Besuchern aber vermutlich nur ein Resultat der geschickten Präsentation aller wissenswerten Inhalte auf einer einzigen Seite. Die Leser des Spiegel müssen sich dagegen offenbar durch mehrere Seiten klicken, um vergeblich nach wissenswerten Inhalten zu suchen, denn mit 42,4% liegt die Bounce Rate hier deutlich niedriger. Entsprechend dauert es im Durchschnitt auch vier Mal länger, auf den Seiten des Spiegel die verbreiteten Lügen als solche zu erkennen. Die Besucher von NTA sind dagegen zu einem überwiegenden Teil Schnellleser, denn sie haben die oft sehr wortreichen Artikel von Ken Davis im Durchschnitt nach knapp 2 Minuten konsumiert. Wieso sie sich offenbar die Videos nicht ansehen, kann ich mir nicht erklären.

Abschließend listet Alexa auch die Referenzen, also die Seiten von denen aus ein Besucher per Link auf der Seite von (zum Beispiel) NTA gelandet ist. An zweiter Stelle rangiert da eine Referenz im Diskussionsbereich von wikipedia, die auf einen sehr alten Beitrag in Ken Davis‘ Blog verweist, indem er die Existenz des HIV-Virus leugnet. Ich hatte da spontan den Einfall, er könnte diese Besucher-generierende Thematik auf den aktuellsten Stand bringen, in dem er ganz einfach in einem neuen Beitrag behauptet, es gebe kein Ebola-Virus. Ich wollte genau dies als ironische Spitze hier anführen, aber bevor ich den Text fertig stellen konnte, hatte mich die Realität schon überholt…

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s