Die BRD-Deduktion

Durch die unbesonnene Verbreitung von Theorien anderer, nicht weniger verwirrter Zeitgenossen, findet sich Ken Davis in einer ihm sicherlich nicht neuen Situation wieder: Dem Aufstellen einer Behauptung folgt die Erkenntnis der Konsequenzen aus derselben. Ich hatte bereits geahnt, dass die mit den Mitteln traditioneller Logik schwer zu beschreibende Fiktion von der BRD-Lüge eine ganze Reihe spannender Schlussfolgerungen zulassen würde. Das dämmert nun auch Ken Davis allmählich und so pickt er sich die angenehmeren Kuriositäten darunter heraus, um sie als neue Enthüllungen auf seinem Blog zu veröffentlichen.

Das einzige, was auf News Top-Aktuell gar nicht geht, ist die Richtigstellung einer bereits veröffentlichten Information. Wenn sich nun plötzlich aus der Fortführung der Beweiskette zur Unstaatlichkeit Deutschlands die Erkenntnis ergibt, dass man in Deutschland gar keine Fahrerlaubnis zum Führen eines Kraftfahrzeugs benötigt, dann ist das eben eine Tatsache. Ken Davis ist diese Offenbarung selbst ein bisschen unheimlich, aber ein Zitat aus dem Kinderfernsehprogramm von Peter Lustig hilft ihm, die Sache zu rationalisieren: „Klingt komisch… is‘ aber so!“.

Wieso?

Auslöser der Sache war seine Feststellung, die Überführung der BRD-Lüge könne als Begründung zur Rückforderung einer entzogenen Fahrerlaubnis genutzt werden. Der oben beschriebene Vorgang der Reflexion über die Konsequenzen seiner eigenen Ausführungen setzte allerdings erst ein, nachdem er von einem Leser dazu angestoßen wurde. Das Ergebnis ist, dass sich nach Ken Davis ab sofort jeder Grundschüler (der auch gern stark sehbehindert und/oder volltrunken sein darf) hinter das Steuer von Papas (oder Mamas, oder des Nachbars – ist ja auch egal) Auto setzen und bedenkenlos zum Spielplatz brausen darf. Schöne neue Welt.

Weshalb?

Die Gründe, warum das völlig problemlos geht, sind dabei nicht neu, sondern identisch mit den Beweisen für z.B. die Unrechtmäßigkeit von Steuern oder der Überflüssigkeit der Polizei. Da ist zunächst die Streichung der Paragraphen aus der StVZO, die sich mit der Fahrerlaubnis befassten. Zusätzlich wurde erneut fahrlässiger Weise (wie bei vielen anderen Gesetzen und Verordnungen) der Geltungsbereich der StVZO gestrichen, weswegen sie ohnehin durchweg unanwendbar geworden ist. Papa wird also demnächst vielleicht einen Monster-Truck anstatt der biederen, TÜV-zugelassenen Familienkutsche in der Einfahrt stehen haben, was dem Sohnemann auf seinen Spazierfahrten vermutlich umso mehr Freude bereiten wird.

Die Regelungen zur Fahrerlaubnis wurden als Ersatz in der FeV (Fahrerlaubnis-Verordnung) neu definiert. Dies allerdings – man muss den Text inzwischen eigentlich gar nicht mehr lesen, um es zu erraten – natürlich von einer Firma und nicht von einem ordentlichen staatlichen Organ. Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung ist keine Behörde, sondern ein „Laden“, wie es Ken Davis formuliert. Den Beweis findet er in der fest definierten Feldbezeichnung einer spezialisierten Suchmaschine. Diese entlarvt übrigens auch das britische Parlament (Unterhaus und Oberhaus) als Firma. In England sollte man im Straßenverkehr also auch auf alles gefasst sein…

Das britische Parlament: Eine Firma!

Das britische Parlament: Eine Firma!

Hat man den ersten Schock überwunden, findet man auf den gleichen Seiten aber auch die recht einfache Erklärung, warum auch die Suche nach staatlichen Einrichtungen zu Ergebnissen führt:

DUNS_what_is_eligible

Wohin?

Es ist weiterhin unklar, wann bei Ken Davis der nächste Geistesblitz zündet und ihm weitere atemberaubende Erkenntnisse aus der BRD-Lügen-Hypothese entgleisen. Bevor es zu spät ist, möchte ich aber hier schon einen Tipp vorweg nehmen, der in den kommenden Wochen sehr hilfreich sein dürfte:

Für das BGB ist ebenfalls kein expliziter Geltungsbereich definiert. Das verschafft jedem von uns außerordentliche Freiheiten und ungeahnte Möglichkeiten im privatwirtschaftlichen Handel. Gerade jetzt vor Weihnachten dürfte es viele interessieren, dass sie nach Herzenslust für ihre Lieben (am besten online) einkaufen können und die ganzen Geschenke nie werden bezahlen müssen. Ich rate dazu, vorzugsweise Shops zu wählen, die den Kauf auf Rechnung anbieten – Vorkasse macht das Unterfangen unnötig kompliziert. Die Anbieter werden vermutlich versuchen, im neuen Jahr die Zahlung der offenen Rechnungen einzufordern, aber sie wissen ja, dass es dafür keine Rechtsgrundlage gibt. Und ein Gerichtsvollzieher ist sowieso keine Amtsperson und kann ihnen gar nix.

Ich wünsche allen äußerst reich gedeckte Gabentische… Keine Ursache!

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2 Kommentare

  1. jaja der Ken und die ganz alten Geschichten! Das mit dem Busfahrer zB. ist von 2012 – da hat, auch wenn nicht im Sinne von Ken, unser „krr Blog“ schon sehr ausführlich drüber getippt:

    http://blog.krr-faq.net/?p=1277

    Und natürlich erwähnt Ken auch nicht wie es zum „Verlust“ gekommen ist – das hat nämlich ziemlich wenig mit „Geltungsbereichen“ und anderem Unsinn zu tun:

    „Der Busfahrer aus Thüringen war im März 2009 mit seinem Bus “geblitzt” worden… und das auch noch ohne Gurt. 50 EUR Bußgeld zzgl. Bearbeitungsgebühren (insgesamt 73,50 EUR) und 1 Punkt in Flensburg drohten. Doch während der Busfahrer die Geschwindigkeitsübertretung von 9 km/h einräumte, setzte er sich gegen den wegen des Fahrens ohne Gurt verhängten Punkt in Flensburg zur Wehr – und zwar mit Hilfe eines Freundes, der den Busfahrer mit “Argumenten” aus dem Internet versorgte.“

    so kann es/er (nun) „gehen“!

    NTAs Leser aber sollen wohl nicht merken, wie alt die Kamelle ist! Deshalb hat er wohl den alten MDR Beitrag vom 14.03.2012 einfach noch mal neu bei YouTube hoch geladen!

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