Der Verlust der Proportion

Wer dachte, Ken Davis würde die besinnliche Jahreszeit und seine dreiwöchige Abstinenz zur Selbstreflexion nutzen, der hat sich entschieden getäuscht: Schon den ersten Artikel des neuen Jahres nutzt er, um im gewohnten Größenwahn seinen Blog auf Grundlage der Jahresstatistik, die WordPress an alle Blogger verteilte, erneut mit der professionellen Presse (das sind die, die echte Journalisten beschäftigen, welche für ihre Tätigkeit auch mal vor die Tür gehen müssen) zu vergleichen. Unter den deutschsprachigen Blogs auf WordPress dürften sich seine Besucherzahlen durchaus sehen lassen, aber in dieser Kategorie fühlt er sich falsch aufgehoben. Er ist der festen Überzeugung, dass seine grammatikalisch aufgeplusterte ein-Mann-Redaktion („wir“) keinen Blog, sondern ein „Informationsmedium“ betreibt.

Selbstredend kommt er erneut zu dem Schluss, seine Äpfel seien viel runder als die Birnen von Spiegel und Bild. Das sei ein Zeichen dafür, dass es mit dem gesamten etablierten Obsthandel dem Ende entgegen ginge. Er kann hier nicht Äpfel mit Äpfeln vergleichen, da die Online-Präsenz der Tages- und Wochenzeitungen nicht die gleiche Tendenz fallenden Interesses zeigt, wie er sie aus deren Printausgaben ablesen kann. Da seine eigenen klägliche Versuche, Werbekunden für seinen Blog zu gewinnen, bisher nicht von Erfolg gekrönt waren, weiß er vielleicht auch gar nicht, dass die Besucherzahlen echter Werbeplattformen minutiös eben für diese potenziellen Werbekunden beobachtet und veröffentlicht werden. Diese Zahlen zeigen jedenfalls, dass z.B. Bild.de die Summe der Seitenaufrufe, die er für News Top-Aktuell und das gesamte Jahr 2014 angibt, im Durchschnitt etwa innerhalb von 3-4 Stunden erfährt. Da hat er wohl noch einiges an Reichweitengewinnung vor sich.

Zumindest konsequent

Es lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen, ob er tatsächlich den Stellenwert seines kuriosen Verschwörungs-Blogs völlig falsch einschätzt, oder diesen Mechanismus nur nutzt, um letzteren mit Inhalt zu füllen. Jedenfalls entrüstet er sich in einem aktuellen Beitrag darüber, dass der Begriff „Lügenpresse“ von Sprachkritikern mit dem Titel „Unwort des Jahres“ gerügt wurde. In der Begründung der Jury wird der pauschalisierte (und vorbelastete) Einsatz des Worts von Seiten der PEGIDA-Bewegung angeführt. Ken Davis hält das für ungerechtfertigt, da er dieses Wort doch auch oft auf NTA verwendet, dabei aber doch nur ein eher geringfügiges Interesse an der PEGIDA-Thematik hätte.

Es erscheint ganz so, als verlange Ken Davis von der Vorsitzenden der Jury, Prof. Dr. Nina Janich, doch erst einmal auf seinem Blog nachzuschauen, wie er die Nutzung dieses Wortes begründet, bevor sie es zum Unwort erklären dürfe. Tatsächlich entgeht ihm dabei völlig, dass die eigentliche Kritik der Jury an der Nutzung des Worts seitens der PEGIDA auch exakt auf seine Art der Argumentation zutrifft. Auch er verhindert fundierte Medienkritik, indem er den Begriff wahllos und pauschal einsetzt. Da er in der Bedeutungslosigkeit seiner eigenen kleinen Welt aber letztlich nur sich selbst damit an einer Erkenntnisgewinnung hindert, dürfte es verzeihlich sein, dass niemand diesem Fall echte Beachtung schenkt (von mir selbst einmal abgesehen).

Sehr lustig ist in diesem Zusammenhang auch seine Argumentation zum Thema Pressefreiheit: Ken Davis meint, wer davon rede, hätte ganz sicher noch nicht gehört, was Udo Ulfkotte (als Insider) über die Presse zu sagen hätte. Ich denke aber sehr wohl, dass der Jury der Sprachkritiker Ulfkottes Einstellung bei den Recherchen zum Unwort des Jahres untergekommen sein dürfte. Dagegen scheint Ken Davis hier ein offensichtlicher Zusammenhang zur Begründung der Jury entgangen zu sein…

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2 Kommentare

  1. Erster!!! 🙂

    und erstmal ein ganz dickes Lob!!! Endlich eine Seite, die FlopAktuell mal kritisch hinterfragt und Fakten zudem Unsinn der dort geschwurbelt wird liefert! *thx

    Ich war schon selber fast dran, so ein Blog ein zu richten – schön jetzt brauch ich es nicht mehr – dafür werde ich Dich hier ein wenig „belästigen“!!

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