NTA verdrängt die FAZ

Wer den Blog von Ken Davis schon eine Weile verfolgt, wird erkannt haben, wie wichtig ihm die öffentliche Aufmerksamkeit für seine Schreiberei ist. Bereits im Januar hatte er der Jahresstatistik von Seitenaufrufen auf News Top-Aktuell einen eigenen Eintrag, quasi „in eigener Sache“, gewidmet. Und schon bei seinem ersten Artikel zu diesem Thema stand der Vergleich mit der professionellen Konkurrenz im Mittelpunkt. Heute verkündet er unbescheiden, alle Tageszeitungen in den Leserzahlen weit hinter sich gelassen zu haben, von der Bild-Zeitung abgesehen.

Wie gewohnt, vergleicht er wieder einmal Verkaufszahlen der Printmedien auf der einen Seite mit Seitenaufrufen auf seinem Blog. Auch die Statistiken zur Online-Präsenz von FAZ und Co. sind im Internet leicht zu finden, aber der Vergleich lässt News Top-Aktuell eher mickrig erscheinen und ist deshalb ungeeignet für die Schilderung einer Erfolgsstory.

Wie viele Seitenaufrufe bedeutet der Kauf einer Zeitung?

Bei den Seitenaufrufen auf WordPress zählt jedes Laden einer Seite des Blogs als einzelner Aufruf. Die Zahl unterschiedlicher Besucher ist ebenfalls zugänglich, wird von Ken Davis hier aber nicht erwähnt. Alexa ist ein Service, der über im Browser installierte Toolbars solche Abrufe ein bisschen genauer analysiert und wie der Kommentar hier richtig erwähnt, hat NTA aktuell eine „Bounce Rate“ von knapp 70%. Das sind in der Übertragung aus der virtuellen in die materielle Welt diejenigen Leser, die nach dem Kauf einer Zeitung und dem Überfliegen der Titelseite das gute Stück direkt in den Papierkorb werfen. Man kann nicht ausschließen, dass sie einen Artikel auf der Titelseite vielleicht sogar vollständig gelesen haben, aber der weitere Inhalt (der nur durch das Blättern oder eben zusätzliche Klicks zu erreichen ist) hat sie nicht interessiert. Dieses Verhalten ist unter Zeitungskäufern eher unüblich, im (kostenlosen) Internet aber wohl die Regel.

Zusätzlich kauft man bei einer Tageszeitung natürlich auch eine ganze Reihe von Artikeln gleichzeitig, die man beliebig oft lesen kann, ohne dafür erneut zu bezahlen. Sie können sogar von mehreren Personen nacheinander gelesen werden. Bei NTA sieht man pro Seitenabruf meistens nur 4 bis 5 Einträge. Will man die Kommentare sehen, ist das ein erneuter Abruf und springt man von dort zu einem anderen Artikel, ist das wieder einer. Auch wenn kaum jemand jeden Artikel einer erworbenen Tageszeitung lesen dürfte, würde ich die Zahl der Seitenaufrufe pro Exemplar mit mindestens 10 berechnen und zur Kompensation der „Ooops, wo bin ich denn hier gelandet?“-Bouncer nur die Hälfte der Seitenaufrufe auf NTA berücksichtigen.

Auflagenstatistik

Bei der Interpretation der ihm vorliegenden Zahlen des IVW zu den Verkäufen der Tageszeitungen scheitert Ken Davis dann kläglich an der Definition einer „Auflage“, was ihm bereits heute Vormittag von zwei Kommentatoren erläutert wurde. Er meint es handele sich bei den Zahlen um die Summe der in Q4 verkauften Exemplare der jeweiligen Zeitung, weswegen er glaubt, durch die Multiplikation mit 4 eine Jahressumme errechnen zu können. Der Begriff „Auflage“ bezieht sich aber auf die jeweilige Einzelausgabe und der IVW berichtet hier den Durchschnitt für Q4.

Auf den Seiten der FAZ findet man die Daten des IVW detaillierter aufgeschlüsselt: Die Zahl für den Durchschnitt von Montag bis Samstag ist im Q4 identisch, mit der Zahl, die sich in Ken Davis‚ Grafik findet (305.257). Die Zahl der Samstagsausgabe alleine ist aber höher (319.896), was ja rechnerisch nicht möglich wäre, wenn die andere Zahl eine Summe über alle Wochentage wäre. Warum das so gemacht wird, ist leicht nachvollziehbar, wenn man sich überlegt, an wen sich die Statistik wendet. Anzeigekunden wollen nicht ein komplettes Quartal lang in jeder Ausgabe die gleiche Werbung platzieren, sondern abschätzen können, wie viele Menschen eine einzelne Anzeige im Durchschnitt sehen werden.

Die korrigierte Situation

Die FAZ ist in 2014 an 300 Tagen erschienen und wenn ich die durchschnittliche Auflage bei 300.000 Stück ansetze, komme ich zu einem Ergebnis von 90 Millionen in 2014 verkauften Exemplaren, oder 900 Millionen geschätzten „Seitenaufrufen“. Die hat NTA mit seinen knapp 6 (3) Millionen Seitenaufrufen jetzt bereits nach Ken Davis Fantasie weit hinter sich gelassen. Das neue Ziel ist die Bild-Zeitung mit (in 2014) 6,6 Milliarden „Seitenaufrufen“ der Papierversion…

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2 Kommentare

  1. Das liest sich doch wieder spannend 🙂
    Hat der gute Ken Davis nun das Komma falsch gesetzt oder nur vergessen, wie viele Proxytools er zum Generieren seiner Zahlen aktiv hält? Oder geht er beim Schlafwandeln einfach nur mit einem anderen Browser auf seine eigenen Seiten und staunt, was dort so tolles steht? Oder nimmt der Gute wirklich und wahrhaftig die einfachen Seitenaufrufe als Messlatte? Dear lord…
    Erstaunlich, dass es so etwas noch gibt. Im Webdesign zählen Klicks wenig, auch allgemeine Aufrufe sind nur ein Richtwert. Das Gesamtbild zählt: Lesedauer, Bewegungen, Einstieg und Ausstieg, Quellen, Qualifizierung, Wiederkehrer, Empfehlungen und vor allem auf kommerziellen Sites die Interaktion mit ihren eigenen Parametern. Die von Ken Davis für Ken Davis auf Ken Davis‘ Blog ermittelten Seitenaufrufe sind … interessant interpretiert.
    Unsere kürzlich – teils auch zum Spaß – aufgebauten Rankings zur Aufklärung über Mathias Langer alias Ken Davis haben ihn wohl so tief geschockt, dass er uns wie unseren Partnern unter diversen Anonymen exakt gleiche Kommentare schickte. Wie super doch sein Blog wäre, mit 100% Wahrheitsgehalt und wie sehr wir uns lächerlich machten. Na ja, laut Piwik steigen die Besucher (nicht nur Klicks) für unsere Aufklärung bisher seit Veröffentlichung jede Woche an. Und es wird weiter geklickt und sogar im Shop bestellt – so was aber auch. Und Newsletterabos gibt es weiter steigend.
    Wer jedenfalls wissen will, wie seriös ‚NewsTopAktuell ist, bekommt schnell die passenden Treffer in den Suchmaschinen.
    Insgesamt wirft Ken Davis‘ Verhalten ein medizinisch sicher interessantes Licht. Würde ich in dieser Fachrichtung nicht gänzlich unbedarft sein, würde ich bei Ken Davis vielleicht mehrere Persönlichkeiten in seinem so schnell gestressten Köpfchen vermuten, oder einfach nur zu viel Fast Food, oder beides. Hirninsuffizienz ist leider schon ziemlich verbreitet. So gesehen ist es auch nicht seine Schuld, sondern unsere; wir haben seinen Zustand sehr spät erkannt. Wir wünschen ihm jedenfalls gute Genesung.

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